· Olaf Stähli, Leiter des Instituts für Traumapädagogik und traumasensible Arbeit IFTP| Lesezeit: 2 Minuten · 0 Kommentare
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2023 entschied sich das Kinder- & Jugendhaus Paradies, sich in Traumapädagogik weiterzubilden. Ich freue mich, diesen Lern- und Entwicklungsprozess seither gemeinsam mit dem Paradies zu gehen.
Viele Kinder und Jugendliche, die in Institutionen leben, haben schwere Belastungen erlebt. Von Traumatisierung spricht man, wenn ein Mensch noch keine Möglichkeit hatte, diese schweren Belastungen zu verarbeiten. Ist dies der Fall, führen traumatische Erfahrungen – besonders wenn sie mehrfach und/oder in jungem Alter erlebt wurden – zu Veränderungen im Verhalten. Denn für den betroffenen Menschen wird es unbewusst zur Lebensaufgabe, sich vor den Erinnerungen an das Trauma und vor traumaähnlichen Gefühlen wie Ohnmacht, Angst und Verzweiflung zu schützen. Sind diese Schutzstrategien stark ausgeprägt und gefährden sie die Entwicklung, spricht man von einer Traumafolgestörung.
Leider wird dieses Traumafolgeverhalten bei Kindern und Jugendlichen oft nicht richtig verstanden. Anstatt die Not dahinter zu erkennen, wird das Verhalten z. B. als Ungezogenheit, böse Absicht oder Unlust gedeutet. Herkömmliche Erziehungsansätze, wie sie bei sicher gebundenen, nicht traumatisierten Kindern und Jugendlichen funktionieren, greifen nicht bei Verhalten, dessen Ursache ein Trauma ist. Es braucht einen pädagogischen Ansatz, der auf psychotraumatologischem Verständnis beruht: die Traumapädagogik.
Die Weiterbildung im Paradies konzentriert sich auf psychotraumatologisches Wissen und Verstehen, konkrete traumapädagogische Ansätze und die eigene Selbstkompetenz. Mit Online-Selbstlernkursen, vertiefenden Workshops und fallbezogenen Supervisionen baut das Paradies eine traumapädagogische Kompetenz auf. Diese Kompetenz sichert es, indem auch neue Mitarbeitende fortlaufend geschult werden. Besonders wertvoll ist, dass das Paradies alle Mitarbeitenden schulen lässt – von der Leitung über den Hausdienst und die pädagogischen Fachpersonen bis hin zu den TherapeutInnen.
Es bereitet mir grosse Freude zu sehen, wie sich die Mitarbeitenden des Paradieses auf die Weiterbildung einlassen, sich mit sich selbst und ihrer Aufgabe auseinandersetzen und erleben, wie sich die Traumapädagogik förderlich auf die Kinder und Jugendlichen auswirkt. Besonders bedeutsam ist die gestärkte Beziehungsfähigkeit: Die Mitarbeitenden können auch bei grossen Herausforderungen klar und gleichzeitig liebevoll mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen umgehen. Die veränderte Haltung, die sich vor allem in empathischem Verständnis zeigt, und die traumapädagogische Handlungskompetenz – das Anwenden neuer Ansätze – machen für die Kinder und Jugendlichen einen spürbaren Unterschied. Ein weiterer schöner Nebeneffekt: Durch das tiefere Verständnis und die gestiegene Handlungsfähigkeit ist auch die Freude an der Arbeit gewachsen.
Gastautor
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