Im Holee finden Kinder in Not ein liebevolles und anregungsreiches Umfeld, in dem sie Entwicklungsschritte wagen können.

Das Kinderhaus Holee hat eine lange Geschichte. Gegründet wurde es Ende des 19. Jahrhunderts von Anna Eugénie von Speyr (1859–1947). Sie arbeitete bis ins hohe Alter aktiv im Kinderhaus mit und verbrachte viel Zeit mit den Kindern und den Schwestern, die das Holee führten. 1986 wurden das Kinderhaus und die Trägerschaft an die Heilsarmee übergeben. Im Jahr 2006 musste das alte Backsteinhaus, das rund 120 Jahre lang unzählige Kinder beherbergt hatte, abgerissen werden.

Der Neubau, der den aktuellen Anforderungen einer stationären Kindereinrichtung entspricht, konnte im Sommer 2008 bezogen werden. Um den Kindern auch im Aussenbereich altersgerechte und kreative Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, wurden der Spielplatz und der Aussenbereich neugestaltet.

Schutz und Geborgenheit

Bei einer notfallmässigen Fremdplatzierung werden die Kinder unvermittelt aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, was emotional sehr verstörend sein kann. «Dann brauchen sie das Gefühl von Sicherheit und eine vertrauenerweckende Basis», erklärt Bernhard Trommenschlager, der seit 1990 als Sozialpädagoge im Kinderhaus arbeitet. «Ganz wichtig sind auch Zuverlässigkeit und eine geregelte Tagesstruktur, die in den Herkunftsfamilien oft fehlen», ergänzt Katharina Schmidlin, seit 36 Jahren sozialpädagogische Mitarbeiterin im Holee. Aber auch bei einer Platzierung, die nicht notfallmässig erfolgt, bleibt bei den Kindern oft eine innere Zerrissenheit. Sie leben an einem Ort, an dem es ihnen gut oder sogar besser geht als vorher, sind aber getrennt von ihren Eltern.

«Eine Fremdplatzierung ist immer ein Einschnitt in die Biografie eines Kindes.»

Stephan Sieber Leiter Kinderhaus Holee

Zusammenarbeit mit den Eltern

Den Eltern begegnet das Team des Kinderhauses Holee mit Respekt und einer positiven Grundhaltung. Es gilt der Satz, dass alle Eltern im Grunde ihres Herzens gute Eltern sein wollen. «Denn auch wenn sie mit- oder hauptverantwortlich sind für die Fremdplatzierung ihres Kindes, hat das seine Gründe und sie sind trotzdem die Eltern», führt Stephan aus. Der Aufbau von gegenseitigem Vertrauen und eine ressourcenorientierte Zusammenarbeit mit den Eltern sind daher von zentraler Bedeutung für das Holee.

Das Team unterstützt die Eltern mit Gesprächen und individueller Förderung kontinuierlich in ihrer Erziehungsverantwortung. Dadurch können die Eltern ihre persönlichen Fähigkeiten stärken und die Beziehung zum Kind festigen. Den Eltern, welche ihre Kinder nur im Heim betreuen können, stehen Besuchsräume zur Verfügung. Besuche werden individuell und der Situation angepasst geregelt. Wo möglich, verbringen die Kinder einzelne Tage, das Wochenende oder auch Ferien bei ihren Angehörigen, um die Rückkehr in das Familienumfeld vorzubereiten.

Das Holee als Zuhause

Das Team des Holee legt höchsten Wert auf einen liebevollen und respektvollen Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern. «Gerade die kleinen Kinder suchen oft eine Mami- oder Papi-Figur», erklären Katharina und Bernhard. Die Kinder werden stehts mit einer wertschätzenden Grundhaltung gefördert. Es gilt, Stärken zu stärken, um Schwächen zu schwächen. Mit viel Engagement unterstützt das Team die Kinder im Wissen um ihre einzigartige Persönlichkeit, ihre eigene Geschichte, ihr persönliches Umfeld und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

«Die Arbeit mit Kindern ist sehr erfüllend und sie geben so viel zurück.»

Katharina Schmidlin

Dass sich die Kinder im Holee zu Hause fühlen, zeigen auch die Erfahrungen der Mitarbeitenden. So kommen ehemalige Kinder als Erwachsene immer wieder einmal zu Besuch und erinnern sich gern an die Erlebnisse im Holee.

So kam zum Beispiel eines Tages ein inzwischen stattlicher junger Mann zu Besuch und bat darum, ihm noch einmal das Schlaflied, das er als Kind so liebte, vorzusingen. Ein anderer wollte wissen, wo sie damals in den Ferien waren, da er nun sehr gern mit seiner Freundin die Ferien genau dort verbringen wollte. Wieder andere arbeiten in der näheren Umgebung und kommen spontan auf einen Besuch vorbei, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Ein weiterer Beweis, wie wohl sich die Kinder im Holee fühlen: Aktuell absolvieren drei ehemalige Kinder ihre sozialpädagogische Ausbildung im Kinderhaus. «Das alles zeigt, dass sich die Kinder im Holee zu Hause gefühlt haben, auch wenn die Situation, die sie zu uns geführt hat, keine erfreuliche war», führt Bernhard abschliessend aus. Die familiäre Umgebung zeigt sich aber auch im Team. So sind zahlreiche Mitarbeitende seit vielen Jahren im Holee.

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Über das Kinderhaus Holee

Das Kinderhaus Holee in Basel wird von der Stiftung Heilsarmee Schweiz getragen und bietet Platz für 26 Kinder ab Geburt bis zum Alter von zwölf Jahren. Oberste Maxime bei der Betreuung der Kinder ist das Kindswohl. Bei der Betreuung der Kinder, wie auch bei der Kooperation mit den Herkunftsfamilien, sind dem Kinderhaus Partizipation und Transparenz wichtig. Die Kinder werden geschlechtergemischt in drei Wohngruppen, einer Kleinkindergruppe und zwei Wohngruppen für Kinder im Schulalter betreut. Anhand einer individuellen Förder- und Entwicklungsplanung werden die Kinder gefördert. Die Teams der Wohngruppen bestehen aus erfahrenen und qualifizierten Fachpersonen oder aus auszubildenden Mitarbeitenden. Das Kinderhaus Holee ist ein stationärer Betrieb mit einer Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Basel-Stadt. Zuweisungen erfolgen über Fachstellen und Ämter.

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