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Die neuen Territorialleitenden, Kommissäre Heidi und Daniel Imboden

Versetzungen gehören für Offizierinnen und Offiziere der Heilsarmee dazu – welches war der bisher schwierigste bzw. schönste Wechsel für euch?

Heidi: Besonders ist und bleibt die erste Sendung ins Korps Brienz direkt nach der Ausbildung. Wir waren motiviert und jung, sind mit Vollgas reingegangen und haben unsere ersten lehrreichen Erfahrungen gemacht. Der Wechsel von Brienz ins Kinderheim Paradies hat uns überrascht, da wir nie mit dem Einsatz in einer Institution gerechnet hatten. Dennoch hat uns diese Zeit sehr gefallen. Einerseits war es für unsere vier Kinder toll: Wir haben in der Natur gewohnt, hatten Tiere im Heim, einen riesigen Spielplatz, sie hatten andere Kinder um sich herum. Andererseits war es für mich spannend, weil es total anders war als im Korps … Wir haben plötzlich mit Angestellten gearbeitet und entdeckt, dass es einen Unterschied macht, ob man mit freiwilligen Mitarbeitenden oder Angestellten unterwegs ist. Ebenfalls neu war, dass Daniel und ich nicht mehr alle Bereiche zusammen verantwortet haben. Ich habe im Heim gemerkt, dass es mir gefällt, meine eigenen Bereiche zu haben, aber trotzdem gemeinsam mit Daniel und dem pädagogischen Leiter Verantwortung zu tragen fürs Ganze. Den Wechsel zurück in die Korpsarbeit fand ich dann eher wieder herausfordernd, weil ich in der Art der Führung wieder umlernen musste.

Daniel: Persönlich fand ich den Wechsel vom Bildungszentrum hierhin ins HQ eher schwierig, weil ich diese Arbeit so gerne gemacht habe und eigentlich gar nicht wechseln wollte.

Wann und wie habt ihr vom jetzigen Wechsel erfahren? Und wie muss man sich das vorstellen: Kommt da plötzlich ein Anruf aus London oder ist das ein längerer Prozess?

Daniel: Es war schon ein Prozess. Wir waren in den letzten zwei Jahren ab und zu in Kontakt mit den Internationalen Sekretären für Europa. Sie waren auch zwei-, dreimal in der Schweiz, um zu sehen, wie es im Territorium läuft. Bei diesen Gelegenheiten konnten wir auch relativ offen mit ihnen darüber sprechen, was wir uns vorstellen könnten für die Zukunft und was eher nicht. Aber was genau auf uns zukommt, wussten wir natürlich nicht. Wir wussten nur: Im Februar kommt ein Telefonanruf aus London. Das haben wir aber auch ziemlich kurzfristig erfahren, zehn Tage vorher.

Heidi: Das war ein sehr spezieller Moment: Du musst einfach an diesem Tag zu einer bestimmten Zeit bereit sein. Da sassen wir beide also vor dem Bildschirm – das Gespräch fand per Teams statt – und wussten nicht, was auf uns zukommt. Dann hat sich der Stabschef gemeldet und gesagt, der General habe entschieden, uns diese neue Verantwortung zu geben im Territorium Schweiz, Österreich und Ungarn. Erst da wussten wir, dass wir hierbleiben, neu eben als Territorialleiter. Es auch hätte sein können, dass wir ins Ausland versetzt werden und diese oder eine andere Rolle in einem uns fremden Territorium ausüben sollten.
Was mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist: Die Internationalen Sekretäre haben vor eineinhalb Jahren ein Mitarbeitergespräch mit uns geführt, als sie hier in der Schweiz waren. Wenn man in einer Senior-Leadership-Position ist, heisst das grundsätzlich, dass man bereit ist, sich überall einsetzen zu lassen. Das wussten wir und dazu haben wir Ja gesagt. Aber bei diesem Gespräch konnten wir, wie Daniel erwähnt hat, ganz offen mit ihnen sprechen, auch über unsere familiäre Situation. Wir konnten den Wunsch äussern, in
Europa zu bleiben, um der Familie – unseren Eltern, den Kindern und Enkelkindern – nahe sein zu können. Wir konnten ebenfalls sagen, wo wir unsere Stärken und Schwächen sehen. Das hat mich sehr gefreut und mir einfach gutgetan.

Was waren eure ersten Gedanken und Gefühle, als ihr von eurer neuen Position erfahren habt?

Daniel: Das war eindrücklich: Am Abend vorher haben wir miteinander über den bevorstehenden Anruf geredet, und ich habe Heidi gesagt, was ich mir am meisten wünschen würde – und es war dann genau das, also die Position, die ich jetzt habe. Damit konnte ich nicht rechnen, aber es hat mich sehr gefreut. Und dass Heidi als Territorialleiterin (TC) ernannt worden ist, hat mir sehr gefallen, weil ich schon lange gesagt habe, schaut euch doch ihr Potenzial, ihre Erfahrung, ihre Leitungsfähigkeiten an.

Heidi: Wie ging es mir? Erstens habe ich mich extrem gefreut für Daniel, weil er mir erst am Abend vorher von seinem Wunsch erzählt hat. Und ich selbst habe gar nicht wirklich gewusst, was mir am liebsten wäre. Als der Stabschef dann sagte, «Heidi, du wirst Territorial Commander (TC)» – oder auf Deutsch Territorialleiterin –, da fiel mir «der Kiefer runter».

Wie habt ihr den Übergang mit Joël und Karen Etcheverry und anderen Involvierten gestaltet?

Heidi: Als wir erfahren haben, dass Joël und Karen als unsere Nachfolger in die Schweiz kommen, war unser erster Schritt – etwa nach zehn Tagen –, sie online kennenzulernen, denn wir haben sie bisher nicht gekannt. Für sie war es ja auch eine Überraschung. Wir wollten schauen, wie es ihnen geht. Wir haben uns ausgetauscht, sehr offen, um zu spüren, wer sie sind – so gut das in einem zweistündigen Meeting möglich ist. Etwas später haben wir sie zu einer Stiftungsratssitzung eingeladen, denn es war Henrik Andersen wichtig, dass die Stiftungsratsmitglieder sie schon mal kennenlernen konnten. Und im Juni waren sie an die Konferenz der erweiterten Direktion eingeladen, was auch sehr wertvoll war für sie. Das ist das, was wir vorgängig schon machen konnten.

Daniel: Seit Joël und Karen hier sind, haben wir den Übergang mit ihnen fliessend gestaltet. Da wir ja hiergeblieben sind, können wir einfach laufend Fragen beantworten, miteinander reden. Für unsere neuen Rollen haben Andersens sich vor ihrer Abreise Zeit genommen, uns in diese Aufgaben einzuführen.

Heidi: Um mich in meine neue Rolle einzudenken, habe ich mich mit allen Abteilungsleitenden, also den Direktionsmitgliedern, sowie mit allen Stiftungsratsmitgliedern getroffen, um sie besser kennenzulernen. Ich wollte schauen, welche Erwartungen, Wünsche und Rollen sie haben und wie sie die Funktion des TC verstehen und bis anhin erlebt haben. Auch mit unserem Juristen konnte ich mich treffen und mit ihm Stiftungsratsurkunde, Organisationsreglement und die Ernennungsurkunde des Generals besprechen und interpretieren. All diese Gespräche und Dokumente haben mir geholfen, eine konkrete Idee von der neuen Rolle zu bekommen.

Was freut dich, Daniel, wenn du daran denkst, dass Heidi jetzt die Rollen als TC und Stiftungsratspräsidentin innehat? Und was, denkst du, wird sie am meisten herausfordern?

Daniel: Wie schon erwähnt, es freut mich sehr, dass man Heidi zugestanden hat, dass sie die Fähigkeit hat zu leiten, zu entscheiden, zu prägen. Auch Themen weiterzuentwickeln, die wir als Heilsarmee bewegen, und «die PS auf den Boden zu bringen.» Ich glaube, die Heilsarmee Schweiz – wenn man das so ausdrücken darf – ist reif dafür, dass eine Frau den Stiftungsrat leitet und als solche vielleicht noch andere Aspekte sieht und einbringt.
Was sie am meisten herausfordern wird: Da habe ich das Gefühl, das Thema Offizierswesen und Offizierslöhne, das wird schon herausfordernd sein – für uns beide. Aber am Schluss ist es dann eben doch sie als TC, die Entscheidungen treffen muss, auch wenn ich sie mittragen werde. Etwas Weiteres ist halt immer der Umgang mit persönlichen Situationen von Offizierinnen und Offizieren, wo man entscheiden muss, wie es weitergeht. Gerade dann, wenn man sich kennt und vielleicht schon jahrelang mit ihnen unterwegs ist. Das ist sicher eine Herausforderung für uns beide.

Heidi: Was ich noch ergänzen möchte: Ich selbst sehe für mich eine besondere Herausforderung darin, die Heilsarmee als gesamte Organisation – im internationalen Kontext – zu verstehen. Ich bin voll ein «Schweizer Kind» und habe keine internationale Erfahrung. Wie gelingt es mir jetzt,  unser Territorium zu vertreten vor dem IHQ und gleichzeitig aber auch dem IHQ gegenüber loyal zu sein? Wo soll, muss ich Dinge akzeptieren und wo kann ich kämpfen oder einstehen für unsere Bedürfnisse? Da habe ich noch keine Erfahrung und dem begegne ich mit einem gewissem  Respekt.
Was mir dabei aber Mut macht: Wir waren Ende Juni ein paar Tage mit dem General unterwegs, als er unser Territorium besucht hat. Ich kann sagen, dass wir in dieser Zeit bei ihm auf sehr offene Ohren gestossen sind. Wir konnten verschiedene Themen mit ihm diskutieren und haben gemerkt, wie offen er und seine Frau sind und welche Dinge sie sehen, die sich in der Zukunft verändern müssen. Dadurch ist bei mir auch eine gewisse Ruhe eingekehrt und es hat mich ermutigt, zu dem zu stehen, was wir hier brauchen.

Besuch_Ungarn
Besuch_Ungarn

Mit dem General in Ungarn unterwegs: für einmal ganz ungezwungen in Privatkleidern, beim Abschlussessen am letzten Abend. Von links nach rechts im Bild: Kommissäre Henrik und Lisbeth Andersen, Kommissäre Heidi und Daniel Imboden, Kommissärin Bronwyn und General Lyndon Buckingham, Majore Candace und Cornell Voeller (Regionalleiter in Ungarn), Major Chris Mulryne (persönlicher Sekretär des Generals).

Und umgekehrt: Heidi, was freut dich, wenn du an die neue Rolle von Daniel denkst? Und was wird ihn herausfordern?

Heidi: Ich denke, dass Daniel in der neuen Funktion wieder mehr Raum haben wird, seine Gaben zu leben: Kontakt mit Menschen, Predigen, Lobpreis. Die Belastung als Chefsekretär ist so hoch, dass dies aus meiner Sicht zu kurz gekommen ist. Und es freut mich natürlich, dass er diese Rolle bekommen hat, die er sich gewünscht hat. Was mir dabei noch wichtig ist zu betonen: Als wir mit den Internationalen Sekretären gesprochen haben, haben wir keine Rollenwünsche formuliert. Wir haben gesagt, wir stehen beide für beide Optionen zur Verfügung. Dass die Rollen jetzt so verteilt sind, das war die Entscheidung des Generals.
Was vielleicht als Herausforderung gesehen werden könnte: Vorher war Daniel Leiter der Direktion und jetzt ist er wieder Teil davon als Abteilungsleiter. Das ist sicher unüblich, aber ich glaube nicht, dass es für ihn ein Problem ist, weil er sich von seiner Persönlichkeit her gut zurücknehmen und loslassen kann.

Daniel: Ja, du hast recht, es ist mir nicht schwergefallen, diesen Platz wieder jemand anderem zu übergeben. Und ich bin überzeugt, dass Joël Etcheverry die Funktion als Chefsekretär gut ausfüllen wird.

Zur Heilsarmee der Zukunft: Das eine ist die Heilsarmee in der Schweiz, das andere die Internationale Heilsarmee, in die sie eingebettet ist. Wie viel Spielraum seht ihr für Veränderungen der Heilsarmee Schweiz und für das Territorium? Was kann oder sollte sich verändern – und was nicht?  

Heidi: Da bin ich zuversichtlich, weil das IHQ, der General, sich intensiv mit Compass, dem globalen strategischen Rahmen beschäftigt. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage aufgetaucht, wie viel Autonomie ein eigenes Territorium oder ein eigenes Land hat. Dass man sich diesen Fragen im IHQ stellt, ist für mich ein sehr positives Zeichen. In unserer diversen Heilsarmee, die auf der ganzen Welt tätig ist, kann man nicht für alle die gleichen Regeln aufstellen. Das ist vorbei, das geht nicht mehr. Und da bin ich zuversichtlich, dass wir in diesem Veränderungsprozess eine Stimme haben. Wir sind dabei auf einer Linie mit anderen Ländern und Territorien in Europa, was mir wirklich viel Hoffnung gibt.

Daniel: Ich denke, die Heilsarmee soll und darf ihrer Aufgabe, ihrer Mission gegenüber treu bleiben. Wir müssen uns immer daran erinnern, wofür wir hier sind: Das Evangelium zu verkünden und den notleidenden Menschen zu dienen. Da wollen wir uns einordnen und auch immer wieder überlegen, was das für uns hier bedeutet. Gerade auch als Kirche. Ich finde, wir sind als Kirche nicht mehr so gewinnend wie früher. Das wäre für mich das, was sich ändern müsste, oder was ich mir für die Zukunft wünsche. Dass wir wieder mehr eine gewinnende Kirche werden.
Was auch unbedingt bleiben soll: Unsere Ausrichtung auf niederschwelliges Helfen. Wir müssen nicht das machen, was andere Institutionen auch tun. Sondern dort sein, wo niemand hinschaut. Das ist oft der niederschwellige Bereich, den man vielleicht eher so ein bisschen misstrauisch beobachtet, wie z. B. bei geflüchteten Menschen. Ich habe das Gefühl, dass die Schweiz immer mehr ein Land wird, das sich abgrenzt, abschottet. Und ich finde ich, da müssen wir dagegenhalten.
Und was ebenfalls bleiben soll, sind die guten Partnerschaften mit den Behörden, dass die Heilsarmee für sie eine zuverlässige Partnerin ist. Dabei müssen wir unbedingt ehrlich bleiben in dem, was wir machen, sodass man uns nicht vorwerfen kann, eine «Hidden Agenda» zu haben.

  • Die neuen Funktionen von Imbodens seit 1. Juli 2026 Gemeinsam haben die Kommissäre Heidi und Daniel Imboden die Leitung des Territoriums Schweiz, Österreich und Ungarn übernommen. Heidi Imboden trägt als Territorialleiterin (TC) die Verantwortung gegenüber dem Internationalen Hauptquartier (IHQ). Zudem verantwortet sie als Stiftungsratspräsidentin die strategische Ausrichtung der Heilsarmee Schweiz. Daniel Imboden wurde die Aufgabe als Territorialer Leiter/Abteilungsleiter Internationale Beziehungen übertragen. Gemeinsam mit Heidi trägt er zudem die Leitungsverantwortung für das Territorium. Sie haben die geistliche Ausrichtung sowie das geistliche Wohlbefinden der gesamten Heilsarmee-Familie (Mitglieder, Mitarbeitende und Freiwillige) im Fokus.

Ein kurzer Blick zurück: Was hat euch in euren bisherigen Funktionen am meisten überrascht, gefallen, gestresst, gefreut, frustriert …?

Daniel: Ein Funfact, der mir spontan in den Sinn kommt: In meiner Funktion als Chefsekretär hat mich überrascht, wie viele Unterschriften ich geben musste. Ich hatte regelmässig ganze Stapel von Belegen, die ich unterschreiben musste. Das hätte ich nicht gedacht, dass man das so viel unterschreiben muss.

Heidi: Ich gehe ein wenig weiter zurück. Daniel und ich sind mit dem Bild in den Offiziersdienst gestartet, dass wir jetzt zusammen im Dienst für Gottes Reich sind und ein super Team bilden. Mit dieser Freude und diesem Stolz haben wir unseren Dienst angepackt. Überrascht hat mich dann, zu realisieren, dass wir trotzdem sehr unterschiedlich sind – besonders in der Art, wie wir leiten. Und dass es dadurch auch zu Spannungen kommen kann. Das hätte ich so nicht erwartet.
Damit komme ich auch gleich zum nächsten Punkt, nämlich was mir gefallen hat. Es hat mir gefallen – und gefällt mir noch heute –, dass wir viele Dinge gemeinsam tun können: Wir sind sehr gerne in Gottesdiensten unterwegs, wir begleiten Ehepaare, gestalten Hochzeiten. Das entspricht uns beiden sehr und das können wir gut gemeinsam gestalten. Gleichzeitig hat aber jeder von uns seine eigenen Bereiche. Das hat beiden den Raum gegeben, sich zu entwickeln.
Und was mir auch immer gefallen hat: mit Menschen unterwegs zu sein, egal an welchem Ort und in welchem Kontext.

Daniel: Was mich auch überrascht und gefreut hat, ist, in wie viele Bereiche man sich als Offizier einarbeiten kann und darf. In der Offiziersschule denkt man vor allem an die Korpsarbeit, ans Predigen, an Seelsorge. Erst später habe ich realisiert, wie viele weitere Aufgaben da auf einen warten. Da gibt es so viele Lernfelder, z. B. Gesprächssituationen im Heim, Personalmanagement, Betriebswirtschaft, die ganzen Budgetfragen: Das sind alles Dinge, die ich lernen durfte, und das hat mich sehr bereichert.

Heidi: Was mich manchmal frustriert hat: Wenn in gewissen Situationen lange nicht entschieden wurde. Ich gehe einfach gerne vorwärts und dann stresst es mich, wenn es zu lange dauert mit Entscheidungen.

Daniel: Was mich gestresst hat: Wenn bei Sachen nicht klar war, wer was machen muss, wer welche Verantwortung trägt. Oder auch, wenn unausgesprochene Erwartungen da sind – das mag ich nicht.

Gibt es etwas, das ihr voneinander lernen möchtet?

Daniel: Was ich von Heidi lernen kann – und wo ich immer wieder darüber staune – ist, wie sie sich Hilfe holt. Sie ist sich nicht zu schade, zu sagen: Das möchte ich wissen. Und dann macht sie einfach einen Schritt, um das zu lernen, fragt Menschen, die das Wissen haben und stellt sich auch unbekannten Themen. Das finde ich vorbildlich. Ich tendiere von meiner Art her dazu, dass ich Probleme und Fragen allein lösen möchte. Da kann ich noch dazulernen: Mir Hilfe holen und sagen, wenn ich etwas nicht weiss. Und meistens helfen die Leute ja gerne.

Heidi: Was ich an Daniel sehr bewundere, ist seine Gelassenheit. Wie er es auch unter grossem Druck, im Stress irgendwie immer schafft, gelassen zu bleiben oder wieder zu werden. Manchmal beneide ich ihn darum. Manchmal halte ich es auch fast nicht aus, wenn er so gelassen bleibt und in mir brodelt es. Da möchte ich von ihm lernen, Dinge einfach mal ruhen zu lassen, ein bisschen abzuwarten. Wenn die Leute mit Fragen kommen, reagiere ich sehr schnell und versuche, sofort Lösungen zu finden, anstatt einfach zu sagen: Jetzt höre ich erst mal zu und überlege mir das in Ruhe, bevor ich reagiere und agiere. Da kann ich mir wirklich eine Scheibe von Daniel abschneiden.

Wer von euch erinnert den anderen eher daran, Feierabend zu machen?

Heidi: Das kann ich ganz einfach beantworten: Daniel muss mich sicher mehr daran erinnern, Feierabend zu machen. Ich funktioniere einfach ganzheitlich – da kommt mir dann dies und das noch in den Sinn … Es fällt mir schwer, einfach so abzuschalten. Aber er kann das.

Hattet ihr als Kind einen Traumberuf?

Heidi: Einen Traumberuf hatte ich nicht wirklich. Als Kind wollte ich immer das werden, was die Eltern sind – sie waren Offiziere. Aber das hat sich stark verändert mit dem Älterwerden, und irgendwann habe ich gesagt, niemals. Aber mit Kindern arbeiten wollte ich immer und wurde dann auch Lehrerin, wenn auch nicht für lange Zeit.
Später wurde bei mir der Wunsch wichtig, zusammen mit Daniel vollzeitlich für Gottes Reich zu arbeiten. Dieser Wunsch wuchs mit unserer Beziehung.

Daniel: Unsere ersten Erfahrungen mit der Heilsarmee haben nicht unbedingt Lust gemacht, Offizier zu werden. Dass wir es trotzdem geworden sind, hängt bei mir damit zusammen, dass sich mein Bild verändert hat. Und ich glaube, Gott hat uns auch gezeigt: Wenn man etwas verändern will, muss man selbst Teil davon werden.

Heidi: Und nicht davonlaufen, das war für mich der Punkt. Wir hätten davonlaufen und irgendwo irgendetwas anderes machen können. Aber diese Vielseitigkeit, die wir in der Heilsarmee erleben durften, hätten wir in keinem anderen Bereich erleben können. Wir hätten doch beispielsweise nie ein Kinderheim geleitet. Das ist etwas, das wir am Offiziersdienst sehr schätzen. Er bietet so viele Möglichkeiten und Chancen.

Daniel: Als Kind hatte ich allerdings einen anderen Traumberuf. Ich wollte immer Taxifahrer werden als Junge. Ich fand Autofahren extrem cool. Ich fahre auch heute sehr gerne Auto, das ist einfach etwas, was ich gerne mache. Und als Kind dachte ich mir, als Taxifahrer kannst du beruflich Auto fahren. Das ist doch super. Und dann noch Leute rumchauffieren und mit ihnen in Kontakt sein. Auch Buschauffeur zu werden hätte mir gefallen – und ich glaube, das würde ich auch heute noch gerne machen …

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