Orestis-Header
Orestis-Header

«Dank der Heilsarmee habe ich wieder eine Perspektive.»

Aufgewachsen ist Orestis K. (45) in Genf. Früh entdeckte er seine Begeisterung für das Reisen. Wann immer möglich, reiste der Genfer und lernte andere Länder und Kulturen kennen. Seine Leidenschaft führte ihn schliesslich nach Bukarest, wo er sich in seine erste Frau, eine junge Juristin, verliebte und blieb. Dank seiner Theaterausbildung fand er bald eine Anstellung als Kameraassistent und Übersetzer beim rumänischen Film.

Zudem stieg Orestis ins Immobiliengeschäft ein. Die beiden Einnahmequellen ermöglichten ihm ein angenehmes Leben. Seine Reiselust hatte er nicht verloren, und so besuchte er regelmässig seine Grosseltern: «Da meine Eltern viel gearbeitet haben, habe ich als Kind viel Zeit bei ihnen verbracht. Und auch als Erwachsener blieben sie für mich wichtige Bezugspersonen», erklärt Orestis.

Verhängnisvolle Ereigniskette

Dann kam die Inflation. Die Gewinne aus den Immobiliengeschäften wurden kleiner und die Kaufkraft von Orestis’ Gehalt sank zunehmend. Zudem wurde die Arbeitsbelastung unerträglich: «Ich arbeitete über zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Ich bekam starke Rückenschmerzen», erinnert er sich. Seine Frau und er hatten sich auseinandergelebt und nach zwei Jahren trennten sie sich.

Doch Orestis hatte noch einen Traum: ein Projekt an der Küste. Er erwarb ein vielversprechendes Grundstück am Schwarzen Meer und plante mit einem befreundeten Architekten die Bebauung. Doch dann kam das Projekt wegen feuertechnischen Problemen vorerst zum Stillstand.

Verluste, Drohungen und Verzweiflung

In den Künstlerkreisen, in denen Orestis verkehrte, waren viele illegale Substanzen im Umlauf. In diesem Umfeld lernte er seine zweite Frau kennen. Nach und nach liess er sich dazu hinreissen, Drogen zu nehmen. «Anfangs nutzte ich sie als gelegentliches Mittel, um meine Schmerzen zu lindern und die Arbeitsbelastung zu ertragen», bekennt er und führt weiter aus: «Ich dachte, ich hätte alles unter Kontrolle, aber ich hatte mich schwer getäuscht!»

Orestis mit Joint
Orestis mit Joint

«Drogen wurden mein einziger Zufluchtsort.»

Orestis K.

Mit dem Tod seiner Grosseltern brachen wichtige Stützen im Leben von Orestis weg. Sein Leben geriet immer mehr ausser Kontrolle. Sein Drogenkonsum stieg und er verlor seinen Arbeitsplatz. Schliesslich scheiterte auch seine zweite Ehe.

Auch sein Traum am Meer entwickelte sich zu einem Albtraum: Das Grundstück weckte Begehrlichkeiten bei zwielichtigen Personen. Orestis wurde das Opfer von Einschüchterungen, einer Brandstiftung und er erhielt gar Morddrohungen.

Zu viel für Orestis: er verkaufte das Grundstück und alle anderen Immobilien und lebte nur noch von seinen Ersparnissen. Orestis erinnert sich: «Ich begann, mich zurückzuziehen und wurde zunehmend von dunklen, selbstzerstörerischen Gedanken beherrscht. Drogen wurden mein einziger Zufluchtsort.»

Hoffnungsschimmer und neue Sorgen

In dieser düsteren Zeit trat eine neue Frau ins Leben von Orestis. Entgegen allen Erwartungen verliebte er sich. Orestis fand wieder Freude am Leben und begann, sich von seinen Abhängigkeiten zu befreien. Kurz darauf wurde seine Partnerin schwanger: «Wir freuten uns darauf, eine Familie zu gründen.»

Aber das Leben hatte andere Pläne. Der Drogenkonsum von Orestis führte dazu, dass er wegen Fluchtgefahr für sechs Monate in Untersuchungshaft kam: «Das war die Hölle: weder medizinische Versorgung noch Unterstützung, nur Demütigungen», erklärt Orestis. In dieser Zeit erlitt seine Lebenspartnerin eine Fehlgeburt. Als Orestis aus dem Gefängnis entlassen wurde, war er gebrochen und mittellos: «Ich hatte weder eine Wohnung noch Papiere. Es war Zeit, Rumänien zu verlassen.»

Neuanfang mit der Heilsarmee

Mit der Hilfe seiner ersten Frau, die inzwischen Anwältin in Bukarest ist, konnte Orestis alle Papiere für eine Rückkehr in die Schweiz organisieren. Seine geliebte Partnerin musste er schweren Herzens zurücklassen. Zurück in Genf, war Orestis zunächst auf sich allein gestellt und am Boden zerstört. Doch er hatte Glück und begegnete Menschen, die an ihn glaubten.

Orestis Porträt
Orestis Porträt

«Dank der Heilsarmee habe ich wieder eine Perspektive.» Oretis K.

Zunächst fand Orestis Zuflucht im Le Passage, der Notunterkunft der Heilsarmee in Genf. «Hier erhielt ich alles, was ich brauchte: die Ruhe, um mich zu erholen, und die Unterstützung, um nach und nach wieder auf die Beine zu kommen. Ich begann eine Substitutionstherapie», führt er aus.

Dank seiner Fortschritte konnte Orestis nach zwei Monaten ein Zimmer im Les Maraîchers, einer Heilsarmee-Einrichtung für Menschen in der Wiedereingliederung, beziehen. Endlich wieder ein eigenes Zuhause: ein Ort der Erholung und Schutz vor Diebstahl und Drogen. «Für mich bedeutet es aber in erster Linie die Chance auf einen Neuanfang. Ich kann mich weiter stabilisieren und meine administrativen Angelegenheiten regeln», erklärt Orestis mit einem Lächeln.

« Im ‹Les Maraîchers› habe ich endlich wieder ein sicheres Zuhause gefunden.»

Orestis K.

Und das Glück ist Orestis weiter hold. So konnte seine Partnerin inzwischen zu ihm nach Genf kommen! Gemeinsam bauen sie sich ein neues Leben auf, mit viel Liebe, Respekt und neuer Hoffnung: «Wir sind für die Hilfe sehr dankbar und wollen künftig weitergeben, was wir erhalten haben», führt Orestis abschliessend aus.

Wie Sie helfen können

Unterstützen Sie uns in der Begleitung von Menschen, die wieder Halt und Ruhe brauchen? Ihre Spende kommt an. Besten Dank!

h_00004194
h_00004194

Ihre Spende

Zurück nach oben