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«Der einzige Internetzugang, den wir hatten, war das WLAN bei der Heilsarmee. Sie hatte es gespendet, damit alle es nutzen konnten.» Johan Beckford (Bild: The Salvation Army World Service Office)

Unpassierbare Strassen, kaputte Häuser, abgerutschte Hänge: mit Windgeschwindigkeiten über 300 Kilometer pro Stunde fegte Hurrikan Melissa über Jamaika und sorgte für Zerstörung. Die anhaltenden Winde und tagelange, sintflutartige Regenfälle führten landesweit zu Stromausfällen und Schäden an der Trinkwasserversorgung. Familien verloren ihr Zuhause.

Wieder verbunden

Johan Beckford erinnert sich an den Moment, als die Welt stillstand. Der Wind hatte sich kaum gelegt, da war Cave Mountain in Westmoreland völlig von der Aussenwelt abgeschnitten – nicht nur physisch, sondern auch digital. Kein Strom. Kein Empfang. Keine Möglichkeit, die Kinder zu erreichen, die kilometerweit entfernt wohnten. In der darauffolgenden Dunkelheit war die Funkstille eine eigene Art der Verzweiflung. Für Johan dauerte diese Stille ganze zwei Wochen.

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«Nach dem Hurrikan wollte ich einfach nur Kontakt zu meinen Kindern aufnehmen. Mein erster Gedanke galt ihnen. Ich wollte wissen, wie es meiner Familie geht».

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Auch ihre Tante in England versuchte immer wieder, Johan anzurufen, sah erschreckende Bilder in den Nachrichten, konnte aber niemanden erreichen. «Als ich meine Tante endlich anrief, sagte sie: ‚Gott sei Dank, du lebst’». Aber es sollte 14 Tage dauern, bis dieser Anruf überhaupt zustande kommen konnte.

Kommunikation wurde in den Tagen nach dem Hurrikan zum knappen Gut. Einzelne funktionierende Internetzugänge waren nur gegen teure Bezahlung verfügbar. Für Familien, die ihr Geld dringend für Essen und Trinkwasser brauchten, waren selbst ein paar Minuten unerschwinglich.

Der Wendepunkt kam, als die Heilsarmee einen kostenlosen Internetzugang einrichtete, der unabhängig von der zerstörten Infrastruktur funktionierte. «Der einzige Internetzugang, den wir hatten, war das WLAN bei der Heilsarmee. Jeden Morgen stellte der Leiter der lokalen Heilsarmee die Anlage draussen auf, damit sie sich in der Sonne aufladen konnte. Nachts füllte sich das Gebäude der Heilsarmee mit Kindern, Eltern, älteren Bewohnerinnen und Bewohnern, die alle versuchten, ihre Angehörigen zu erreichen. Alle konnten es nutzen, die Heilsarmee stellte es gratis zur Verfügung.»

Nichts war für Johan wichtiger als der Moment, als sie endlich die Stimme hörte, auf die sie gewartet hatte: «Als ich endlich durchkam, sagte meine jüngste Tochter: ‹Mummy, ich bin so froh, von Dir zu hören. Weisst du, wie lange ich schon versucht habe, dich zu erreichen? ›»

In ganz Jamaika stellte die Heilsarmee in Zusammenarbeit mit der Organisation Red Lightning Zugang zu Internet sowie Solarpaneele, Generatoren und Batterien bereit, um in sechs stark betroffenen Gemeinden Kommunikationszentren einzurichten.

Der tägliche Weg zum Wasser

Auch Monate nach dem Sturm prägt die Zerstörung den Alltag in Cave Mountain. Die Stromversorgung ist noch immer nicht wiederhergestellt, sodass die gesamte Gemeinde für die Beleuchtung auf Generatoren und Solarlampen angewiesen ist. Viele Familien leben weiterhin unter Zeltplanen statt Dächern, und obwohl wieder Wasser aus den Leitungen fliesst, ist dieses nach wie vor nicht trinkbar. Eine neue Realität, die das Leben der zehnjährigen Ashoya prägt.

Mit einem grossen Behälter im Rucksack macht sie sich auf den Weg zum Gebäude der Heilsarmee. «Dort gibt es sauberes Wasser. Das ist das Wichtigste», sagt sie.

In den westlichen Regionen Jamaikas hat Hurrikan Melissa die Wasserversorgung schwer beschädigt und gefährliche Bedingungen geschaffen. Verunreinigtes Wasser begünstigte die Ausbreitung von Krankheiten. Überschwemmungen vermischten sich mit Abfällen und Tierexkrementen und verunreinigten vielerorts das Wasser. Für Familien, die auf Flüsse oder nun beschädigte Leitungen angewiesen waren, bedeutete das eine anhaltende Gesundheitsgefahr.

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«Das Wasser bei der Heilsarmee ist aufbereitet und trinkbar.»

Ashoya (Bild: The Salvation Army World Service Office)

Dies stellte Familien vor ein Dilemma: Entweder teures Wasser in Flaschen kaufen oder das Risiko eingehen, kontaminiertes Wasser aus natürlichen Quellen zu nutzen.

Im Dezember, sechs Wochen nach dem Sturm, stellte die Heilsarmee einen Wassertank auf. Der Wasseranschluss der Heilsarmee wurde zu einer lebenswichtigen Quelle. Das aufbereitete Trinkwasser ist für viele – insbesondere für Kinder wie Ashoya – unverzichtbar. «Ich hole Wasser zum Baden, Abwaschen und zum Trinken. Ich mache das fast jeden Tag, weil wir das Wasser wirklich brauchen.»

Jamaika_vorher-nachher
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Cave Mountain im Satellitenbild: vor und nach Hurrikan Melissa. Der Sturm riss Dächer, Infrastruktur und Vegetation mit sich. (Quelle Bilder: Google, © 2025 Airbus)

Hilfe, die wirkt

Die Heilsarmee war unmittelbar nach dem Sturm im Einsatz und konnte dank ihrer lokalen Verankerung schnell reagieren – auch in schwer zugänglichen Regionen. Über 212'000 Menschen auf der ganzen Insel wurden mit Hilfsgütern versorgt, darunter 27'000 Flaschen Wasser, 25'000 Hygiene-Sets, 9'000 Lebensmittelpakete und 197'000 Mahlzeiten. Die Unterstützung aus der Schweiz hat dazu beigetragen, dass grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser und Kommunikation wieder gedeckt werden konnten. Sie zeigt, wie gezielte Hilfe vor Ort wirkt und Menschen in einer akuten Notsituation konkret unterstützt.

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