Begegnung mit Bundespräsidenten-119
Begegnung mit Bundespräsidenten-119

Der 64-jährige Neuseeländer Lyndon Buckingham ist seit 2023 der General und damit der globale Chef der Heilsarme, einer der grössten humanitären Nichtregierungsorganisationen der Welt. Von 25. bis 28. Juni weilt der General zu einem Besuch bei der Heilsarmee Schweiz. In diesem Rahmen traf er am Freitagnachmittag Bundespräsident Guy Parmelin im Schloss Chillon. Begleitet wurde der General durch seine Ehefrau, Kommissärin Bronwyn Buckingham.

Der Bundespräsident empfing den General und Kommissärin Buckingham direkt im Anschluss an den jährlichen Bundesratsausflug in Parmelins Heimatkanton Waadt im malerischen Schloss Chillon. Das letzte Treffen zwischen einem General der Heilsarmee und einem Bundesrat (Georges-André Chevallaz) fand 1979 statt.

Der Bundespräsident und der General tauschten sich über die teilweise besorgniserregenden Entwicklungen auf der Welt aus. Zudem überbrachte der General dem Bundespräsidenten den Dank der Heilsarmee. „Eine Motivation für dieses Treffen war, dem Bundespräsidenten unsere Wertschätzung und unseren Respekt für seine schwere Arbeit zum Ausdruck zu bringen“, sagte General Buckingham nach dem Treffen. „Wir boten ihm auch unseren Support an. Die Heilsarmee ist immer zur Stelle, wenn die Regierung oder die Bevölkerung Unterstützung brauchen. Die Heilsarmee kann in vielen Fällen etwas beitragen und einen Unterschied machen.“

Weiter brachte der General seine Besorgnis zum Ausdruck, dass viele westliche Staaten derzeit ihre Unterstützung für den globalen Süden kürzen, auch die Schweiz.

Als eine Heilsarmee-Soldatin in Chillon eingesperrt war

Dass das Treffen mit Bundespräsident Parmelin im Schloss Chillon stattfindet, ist zwar ein Zufall – doch ein symbolträchtiger: Im Schloss Chillon spielte sich im 19. Jahrhundert eine dramatische Episode in der Heilsarmee-Geschichte ab.

Als sich die Heilsarmee (gegründet 1865 in London) 1882 in der Schweiz zu etablieren begann, stiess sie zunächst auf massiven Widerstand. Mehrere Kantone erliessen Verbote gegen die Heilsarmee. Zahlreiche ihrer Sympathisantinnen und Sympathisanten kamen ins Gefängnis oder wurden ausgewiesen.

Unter den Heilsarmee-Vertreterinnen, die diese Repression am eigenen Leib zu spüren bekamen, war die damals erst 23-jährige Charlotte Stirling aus Schottland. Stirling bot 1888 in Orbe VD christliche Kinderstunden an und wurde deswegen von einem Waadtländer Polizeigericht zu 100 Tagen Haft im Schloss Chillon verurteilt, das damals noch als kantonales Gefängnis diente – ein Fall, der damals in der Schweizer Presse grosse Wellen warf. Liberale Kommentatoren bezeichneten die Haftstrafe als „grausam“, überrissen und werteten sie teilweise auch als Verstoss gegen die Religionsfreiheit. Die Haft der jungen Frau beschäftigte damals sogar das britische Unterhaus, den Bundesrat und das Schweizerische Bundesgericht.

Vor diesem Hintergrund schätzt die Heilsarmee Schweiz das Treffen mit Bundespräsident Guy Parmelin sehr. Heidi Imboden, die ab 1. Juli 2026, die Stiftung Heilsarmee Schweiz als Präsidentin des Stiftungsrats leiten wird, war beim Gespräch im Schloss Chillon ebenfalls dabei. „Wir danken Bundespräsident Parmelin für diesen Austausch. Nach den schwierigen Anfangsjahren, die unsere Organisation in der Schweiz erlebt hat, sehen wir den Empfang durch Bundespräsident Parmelin als Zeichen der Wertschätzung für unsere Arbeit im Dienst der Bevölkerung und der Schwächsten.“ Heidi Imboden bekräftigt die Bereitschaft der Heilsarmee, in Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen und Gemeinden auch in Zukunft soziale Probleme und Nöte zu bekämpfen.

Aktiv in 134 Ländern, stark präsent in der Schweiz 

Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung mit christlichem Hintergrund. Die Organisation ist präsent in 134 Ländern und unterhält weltweit über 15'000 soziale Einrichtungen, über 2700 Schulen, über 160 Spitäler sowie zahlreiche weitere soziale Angebote. Ihr internationales Hauptquartier ist in London, von wo aus eine Generalin oder ein General die Organisation führt.  


In der Schweiz ist die Heilsarmee seit 1882 präsent. Sie ist damit eine der ältesten und heute auch eine der grössten Non-Profit-Organisationen des Landes und ist als Stiftung organisiert. Die Stiftung Heilsarmee Schweiz zählt über 2200 Mitarbeitende und über 3200 Mitglieder und unterhält an etwa 150 Standorten zahlreiche soziale Institutionen und Angebote sowie 49 lokale Kirchgemeinden. 


Unter anderem ist die Heilsarmee in der Schweiz die grösste Anbieterin von Notschlafstellen und anderen Notwohnangeboten (total 705 Betten). Am 1. Juli übernimmt die Heilsarmee in Vevey VD, im Heimatkanton von Bundespräsident Parmelin, eine weitere Notschlafstelle namens „Le Lien Vevey“. 

Für weitere Informationen

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