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Es brauchte viel, bis Yannick endlich ein Stück Normalität in ihrem Leben finden konnte.

Noch bevor Yannick das Licht der Welt erblickte, zeichnete sich ab, dass ihr Leben nicht einfach werden würde. Während der Schwangerschaft entzündete sich das Fruchtwasser. Infolgedessen erlitt Yannick wiederholt Herzstillstände. Um ihr Leben zu retten, mussten die Ärzte daher umgehend entbinden. Dank des schnellen Handelns überlebten – jedoch mit erheblichen Folgen für Yannicks Leben.

Yannick leidet unter kognitiven und motorischen Beeinträchtigungen, die ihr seit ihrer Kindheit den Alltag stark erschweren. «Selbst einfachste Dinge wie Schreiben, den Weg finden oder links von rechts unterscheiden zu können, bereiten mir grosse Mühe und erfordern viel Nachdenken», erklärt sie.

Dabei wünschte sie sich nichts sehnlicher, als zu sein wie alle anderen.

Start in ein «normales» Leben

Dank der Unterstützung ihres Umfelds und von Fachkräften fand Yannick einen Weg, mit ihren Einschränkungen umzugehen. Sie schloss zunächst eine Ausbildung als Coiffeuse und später eine weitere in der Parfümerie ab. Dadurch konnte sie in den angesehensten Salons Genfs arbeiten und mit renommierten Duftmarken wie Chanel zusammenarbeiten.

«Diese Schwangerschaft war mein grösster Sieg über das Schicksal»

Yannick

Auch privat lächelte Yannick das Glück zu. Sie lernte ihren Mann kennen und wurde schwanger. Ein Wunder – hatte man ihr doch mehrfach erklärt, dass dies aufgrund ihres Gesundheitszustands unmöglich sei. «Diese Schwangerschaft war für mich die Bestätigung, dass ich tatsächlich wie alle anderen sein konnte», erinnert sich Yannick. Einige Jahre später brachte sie ihre zweite Tochter zur Welt. Ihr Leben schien endlich einen normalen Verlauf zu nehmen.

Trennung, Depression und Sucht

Doch ihr Glück hielt nicht an. Yannick war das Opfer eines eifersüchtigen Ehemanns, der sie überwachen liess, sie schlug und ihr drohte. Ihr Selbstvertrauen wurde völlig zerstört, weshalb es für Yannick anfangs unvorstellbar war, ihn zu verlassen. «Ich war überzeugt, dass niemand eine armselige Frau wie mich mit zwei Kindern wollen würde», erzählt sie mit leiser Stimme.

Erst viele Jahre später, nach zahlreichen Misshandlungen und Demütigungen, darunter auch eine Verbrennung im Intimbereich, erkannte sie, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzte, wenn sie bei ihm blieb. Mit der Unterstützung ihrer Angehörigen fand Yannick schliesslich den Mut, ihn zu verlassen und Anzeige zu erstatten. Für Yannick begann der Kampf jedoch erst richtig: «Mein Selbstwertgefühl war komplett zerstört und ich fiel in eine schwere Depression.»

Yannick-Selbstwertgefühl
Yannick-Selbstwertgefühl

«Wer ständig erniedrigt wird, glaubt irgendwann selbst, nichts wert zu sein.»

In dieser Zeit war die Zigarette die beste Freundin von Yannick. Sie rauchte ständig, zwei bis drei Päckli pro Tag. Es war eine echte Sucht.

«Ich kann nicht genau sagen, was mich lockte: eine gewisse Wärme, der Geschmack, die Entspannung» erinnert sich Yannick und führt weiter aus: «Vor allem war da dieser Automatismus – das wiederholte Anstecken sowie die Berührung der Zigarette am Mund –, der mir Linderung brachte.»

Wenn es einem schlecht geht, klammert man sich gern an kleine, unmittelbare Freuden. Mit der Zeit wird es jedoch schwierig, sich wieder davon zu lösen.

Die Heilsarmee als Heilmittel für die Seele

Ihre Depression führte Yannick in mehrere Genfer Wohnheime, bevor sie im Centre Espoir der Heilsarmee für fünf Jahre ein Zuhause fand. «Ich war dort sehr glücklich, denn ich war sehr gut aufgehoben. Das Verständnis für meine Situation und die Fürsorge, die mir entgegengebracht wurden, halfen mir, meine Leiden zu lindern und schliesslich zu überwinden», erklärt sie.

Yannick-lächelt
Yannick-lächelt

Dank der liebevollen Begleitung durch die Mitarbeitenden der Résidence Amitié hat Yannick ihr Lächeln wiedergefunden.

Dank der Unterstützung ihres Psychiaters gelang es Yannick zudem, ihren Tabakkonsum erheblich zu reduzieren. «Auch wenn es nicht leicht war, rauche ich inzwischen maximal noch vier Zigaretten pro Tag. Eine Grenze, die ich nie wieder überschreiten werde», erklärt sie stolz. Leider forderte der jahrelange übermässige Nikotinkonsum auch seinen Tribut. Vor drei Jahren wurde bei mir COPD diagnostiziert, eine sehr schwere degenerative Lungenkrankheit. Diese führt regelmässig zu Atembeschwerden. Deshalb musste ich in die Résidence Amitié der Heilsarmee wechseln, die auch medizinische Betreuung bietet.

Wohnen und Begleiten

In der West- und Deutschschweiz bieten wir Menschen in einer schwierigen Lebenssituation kurz-, mittel- oder langfristig ein Zuhause in einer sicheren Umgebung. Ziel ist es, hilfsbedürftigen Menschen einen zuverlässigen Ort zu bieten, an dem sie Stabilität finden und zur Ruhe kommen können. Fürsorgliche, professionelle Fachpersonen begleiten, betreuen und beraten Betroffene bei ihren nächsten persönlichen Schritten.

«Seitdem fühle ich mich wie im Paradies», sagt sie sichtlich erleichtert. In der Résidence Amitié habe sie dieselbe menschliche Wärme gefunden wie zuvor im Centre Espoir: engagierte Mitarbeitende, neue Freundschaften und die Möglichkeit, regelmässig Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. All das helfe ihr, ihren Lebensmut zu bewahren. Zudem werde sie dabei unterstützt, ihren Zigarettenkonsum weiterhin zu kontrollieren.

«Die Heilsarmee hat mir wieder beigebracht, auf mich selbst zu achten»

Yannick

Rückblickend ist sie sehr dankbar für das Leben, das sie heute führen darf, und findet, dass sie keinen Grund hat, sich zu beklagen. Während ihrer Genesungszeit engagierte sie sich intensiv in der humanitären Hilfe. Indem sie mit dem Leid anderer konfrontiert wurde, lernte sie, ihre eigenen Schwierigkeiten in einem anderen Licht zu sehen.

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