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Alain Klarer – Schweizer Regisseur, Produzent und Drehbuchautor.

Geboren und aufgewachsen ist Alain Klarer in Neuchâtel. Seine Mutter liebt Filme und weckt schon früh seine Leidenschaft fürs Kino. Nach erfolgreichem Ethnologie-Studium in Neuchâtel und dem Master of Arts mit Auszeichnung an der London International Film School, unterrichtet er als Gastdozent an einem College in den USA.

Die Welt des Films

Hier erreicht ihn ein Brief von Alain Tanner, des Schweizer Filmregisseurs und Drehbuchautors, der ihn einlädt, an seinem neuen Projekt mitzuarbeiten. Alain Klarer kehrt zurück in die Schweiz und wird sein Regieassistent. Gemeinsam realisieren sie zwei Spielfilme: «Eine prägende Erfahrung für einen jungen Filmemacher», erinnert sich Alain Klarer.

Die Zeit in New York

1986 reist er gemeinsam mit seiner Frau nach New York und bleibt dort für die nächsten knapp 15 Jahre. Er arbeitet als Assistent des amerikanisch-schweizerischen Fotografen und Filmemachers Robert Frank. Für den intimen Dokumentarfilm über dessen Roadtrip in einem alten Ford quer durch Amerika führt Alain Klarer Regie.

«Die Welt des Films war mein Zuhause.»

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Alain Klarer

Was die Arbeit von Alain Klarer als humanistischen Dokumentarfilmer und engagierten Zeitzeugen auszeichnet, ist sein empathischer Zugang zu den Menschen. Dies zeigt sich deutlich in Bailey House: To Live as Long as You Can (1988), einem Dokumentarfilm über die erste Einrichtung für Menschen mit HIV/AIDS in den Vereinigten Staaten: «Der Film ist ein Zeitzeugnis über das Leben obdachloser, HIV-positiver und AIDS-kranker Menschen Ende der 80er-Jahre in New York», verdeutlicht Alain Klarer. Ein grosser Regie-Erfolg.

  • Filmologie 1978 – Horizonville: Regisseur | Drama
    1981 – Max Frisch, Journal 1-3: Tongenieur | Dokumentarfilm
    1984 – L'air du crime: Regisseur, Produzent | Spielfilm
    1987 – On the Road With Robert Frank: Regisseur| Dokumentarfilm
    1988 – Bailey House: To Live as Long as You Can: Regisseur | Dokumentarfilm
    1991 – Johnny Suede: Koproduzent| Spielfilm
    1994 – IKRK-Mission: Regisseur| Dokumentarfilm
    1995 – The American Cinema: Regisseur | Dokumentarfilm | letzte Folge der 13-teiligen Serie Film in the Television Age
    1996 – Around the Block: Regisseur | Dokumentar-Spielfilm

Nach 14 Jahren lassen sich seine Frau und er einvernehmlich scheiden: «Auch nach der Scheidung pflegten wir immer eine enge Beziehung – bis heute», bestätigt Alain Klarer. Gemeinsam mit einem Schweizer Finanzpartner gründet er die Produktionsfirma Balthazar Pictures, die 1991 Johnny Suede produziert mit dem Newcomer Brad Pitt in seiner ersten grossen Rolle. Der Film wird 1994 am Locarno Filmfestival mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet.

Trotzdem arbeitet Alain Klarer weiter erfolgreich als Regisseur. In dieser Zeit lernt er seine zweite Frau kennen. 1994 filmt er im Auftrag des IKRK die komplexe und menschliche Realität eines Gefangenenaustauschs zwischen Tel Aviv und Algerien: «Einer meiner ‹persönlichsten› Dokumentarfilme», erinnert sich Alain Klarer.

Schicksalsjahre

Seinen (bislang) letzten Film Around the Block realisierte er 1996 gemeinsam mit seiner Ex-Frau. Der Dokumentar-Spielfilm beleuchtet das das Leben eines New Yorker Stadtviertels durch die Augen seiner Bewohnerinnen und Bewohner.

Zwei Jahre später stirbt sein Geschäftspartner und Alain Klarer gibt die Firma auf. Kurz darauf zieht er mit seiner Frau nach London. Im Jahr 2000 verschlechtert sich der Gesundheitszustand seiner Eltern rapide und Alain Klarer reist in die Schweiz. «Geplant war ein Kurzaufenthalt, doch ich blieb in Zürich und gründete ein neues Unternehmen», erklärt er.

Und es lockt ein neues Projekt: ein Dokumentarfilm über eine 56-tägige Reise mit einem Hospitalschiff auf dem Amazonas. Alain Klarer ist begeistert und beginnt mit den aufwändigen Vorbereitungen. Doch privat gerät vieles ins Wanken: Seine zweite Ehe wird geschieden.

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«Ich habe mich komplett isoliert.»

Alain Klarer

2003 verändert ein schwerer Fahrradunfall sein Leben abrupt: neun gebrochene Rückenwirbel, Operation und ein langer Reha-Aufenthalt. Hinzu kommt ein schmerzlicher Verlust: «Nach langer Krankheit verstarb meine geliebte Mutter», führt er mit leiser Stimme aus. Die Folgen des Unfalls schränken seine Mobilität stark ein. Letztlich muss er das geplante Amazonas-Projekt aufgeben.

Der Weg zur Heilsarmee

Und das Leiden hat noch kein Ende. 2008 stirbt sein Vater in seinen Armen: «Meine Eltern waren immer wichtige Stützen für mich und ihr Verlust war ein schwerer Schlag.» Gleichzeitig gerät auch sein Unternehmen in eine Krise, nachdem einer seiner wichtigsten Partner Konkurs gegangen ist. «Ich hatte keinen Buchhalter, ein grosser Fehler», blickt Alain Klarer selbstkritisch zurück.

2010 eskaliert die Situation: Mietrückstände, Zwangsräumung, der Verlust seines gesamten Besitzes und schliesslich die Unterbringung in einem Altersheim. «Das war ein Albtraum für mich.» In der Folge zieht sich Alain Klarer vollständig aus der Gesellschaft zurück.

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«Ich werde geschätzt und erlebe täglich Zugehörigkeit.» Alain Klarer

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Heute geniesst Alain Klarer sein Leben wieder in vollen Zügen.

Nach Rücksprache mit dem Sozialdienst der Stadt Zürich findet Alain Klarer ein neues Zuhause im Wohnhaus der Heilsarmee an der Molkenstrasse: «Das war das Beste, das mir passieren konnte. Ich bin in der Nähe meiner noch verbliebenen Freunde und habe neue Bekanntschaften geschlossen. Die Vielfalt der Menschen um mich herum und die menschliche Unterstützung durch das Team schätze ich sehr. Ich bin hier sehr glücklich und Einsamkeit ist kein Thema mehr.»

Betreutes Wohnen an der Molkenstrasse

Das Wohnhaus an der Molkenstrasse verfügt über 65 Plätze und bietet betreutes Wohnen für Menschen mit leichtem bis mittlerem Begleit- und Betreuungsbedarf. Die Einrichtung richtet sich an erwachsene Männer und Frauen mit psychischen, physischen und sozialen Beeinträchtigungen oder Suchtproblemen. Bezugspersonen aus unserem Prozessbegleitungs-Team arbeiten gemeinsam mit den Bewohnenden an der Umsetzung individueller Zielsetzungen. Falls notwendig, stellen wir auch die Abgabe von Medikamenten sowie Pflege und Betreuung sicher.

Alain Klarer hat bei der Heilsarmee mehr als ein neues Zuhause gefunden. Die Gemeinschaft und die Unterstützung geben ihm den Mut, wieder an einen Neuanfang zu glauben. Abschliessend führt er mit einem Augenzwinkern aus: «Ich habe einen grossen Wunsch zu leben. Ich kann jetzt nicht aufgeben. Es gibt noch so viele Dinge, auf die ich immer noch neugierig bin und die ich versuchen möchte zu tun. So viele Projekte, die ich gern noch umsetzen möchte. Auch von daher würde der Titel eines Films über mein Leben Unmade Movies lauten.»

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