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Quelle oder Zisterne?

Drogen sind billiger Ersatz

In den «Zehn Geboten» steht nicht: «Du sollst keine Drogen nehmen!» Doch die ersten Gebote rufen uns auf, unsere Lebensmitte und -quelle in Gott zu suchen. Wir sollen uns nicht mit billigem Ersatz zufriedengeben (2. Mose 20,1-17). Drogen sind ein solcher Ersatz, spätestens dann, wenn sie zum Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns werden.
Die Bibel nennt zwei Drogen mit Namen, die heute noch aktuell sind: übermässiger Alkoholkonsum (Sprüche 23,29-35; Epheser 5,18) und Geldsucht. Erstaunlicherweise wird die Geldsucht von der Bibel viel mehr thematisiert. Die «Habsucht» wird in einem «Sündenregister» als unrühmlicher Höhepunkt beziehungsweise Tiefpunkt aufgeführt (Kolosser 3,5). Die «Geldliebe» gilt an anderer Stelle als «Wurzel alles Bösen» (1. Timotheus 6,9-10).

Quelle oder Zisterne?

In Jeremia 2,13 sagt Gott: «Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten.»
Wasser ist im Land der Bibel ein teures Gut, das man in Zisternen sammelte. Rissige Zisternen sind im Alten Testament eine Illustration für unzuverlässige Lebensquellen, die immer wieder austrocknen. Ein treffliches Bild für alle Arten von Sucht.

Wenn ich Zugang zu einer Quelle habe, bin ich nicht auf Zisternen angewiesen. Ich bin dann nicht mehr von äusseren Umständen abhängig und kann das Lebenswasser sogar weiterverschenken, weil ich mehr als genug habe. Jesus nimmt diese wunderbare Illustration im Neuen Testament auf und bietet sich selbst als Lebensquelle an: «Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die ewiges Leben schenkt.» (Johannes 4,14)

Lasten abwerfen

Viele Menschen werden durch Sorgen in die Sucht getrieben. Der vermeintliche Trost wird aber schnell selbst zum Problem. Wie befreiend ist es doch, dass uns die Bibel aufruft, unsere Sorgen «auf Gott zu werfen, denn er ist besorgt für uns». So dürfen wir unser «Sorgerecht» immer wieder bewusst an Gott abgeben, was die Bibel als einen Akt von wahrer Demut sieht (1. Petrus 5,6-7).

Göttlicher Biorhythmus

Die «Zehn Gebote» erklären jeden siebten Tag zum Ruhetag. An ihm darf und soll der Mensch zur Ruhe kommen – und in Gottes Gegenwart auch zu innerer Ruhe finden. Dieses «Sabbatgebot» ist für den Menschen da, nicht umgekehrt (Markus 2,27). Ich verstehe dieses Gebot als ein Geschenk, das uns nicht auf einen Tag fixiert, sondern zu einem von Gott initiierten Biorhythmus einlädt. Wenn wir in diesem Rhythmus leben, brauchen wir keine Drogen zur Leistungssteigerung, weil wir unsere äusseren und inneren «Batterien» immer wieder aufladen. Wir werden uns bewusst: In Gott «leben und weben und sind wir» (Apostelgeschichte 17,28).

Jesus kam nicht für die «Gesunden»

Viele Menschen haben ein Suchtproblem. Der Mensch sucht nach Lebensfülle und ist anfällig dafür, dass seine Suche in einer Endlosschleife endet – in der Sucht. Wenn wir aus der Sucht nicht mehr herausfinden, sind wir keine hoffnungslosen Fälle, sondern gehören zum «Zielpublikum» von Jesus. Denn er ist nicht für die «Gesunden» gekommen, sondern für diejenigen, die das Leben nicht auf die Reihe kriegen und Hilfe brauchen (Matthäus 9,12-13). Jesus sucht solche Menschen und ruft uns zu: «Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.» Er lädt uns ein, an seiner Seite durch das Leben zu gehen, um «Ruhe für unsere Seelen» zu finden (Matthäus 11,28-30).

Freie Wahl

Die Willenskraft des Menschen ist begrenzt. Das zeigt sich spätestens beim Thema Sucht. Wir sind unseren Süchten aber nicht hilflos ausgeliefert. Auch wenn wir uns selbst nicht im Griff haben, können wir doch selbst entscheiden, wer oder was uns im Griff haben soll (Römer 6,16): Gott oder die Sucht? Gott lässt uns die freie Wahl. Liebe kennt keinen Zwang.
Bereits auf den ersten Seiten der Bibel lesen wir, dass Gott einen «verbotenen Baum» in die Mitte des Paradieses gestellt hat. Ohne diesen Baum wäre das Paradies ein «goldener Käfig» gewesen. Dieser Baum war der Ausgang, weg vom Paradies und weg von Gott (1. Mose 2,9). Der Mensch entschied sich für einen Gott-unabhängigen Weg und verliess damit auch die Quelle des Lebens. Seither befinden wir uns auf der Suche. Aber auch Gott sucht. Er sucht uns! Deshalb hat er vor 2000 Jahren Jesus Christus zu uns gesandt (Johannes 3,16).

Wenn wir uns von Jesus finden und führen lassen, verliert unser Suchtproblem an Kraft, weil wir Gott als freimachende Lebensquelle und wahren Trost entdecken.

Zum Autor:
Markus Brunner ist Divisions-Chef (Regionalleiter) bei der Heilsarmee Schweiz und hat als Erwachsenenbildner (FA) den Persönlichkeitskurs Enneastar entwickelt.

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