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Ausgabe Mai 2026, Sozialwerk

Sozialwerk

Beiträge

Auf Wiedersehen, Marianne Lanz

Vor beinahe 34 Jahren, am 27. Juli 1992, trat Marianne Lanz ihre Tätigkeit im Sozialwerk der Heilsarmee am Hauptquartier an.

Marianne Lanz

Mit grossem Engagement, hoher Fachkompetenz und beeindruckender Beständigkeit hat sie seither die Arbeit der Abteilung über viele Jahre hinweg entscheidend mitgeprägt.
Nun hat Marianne das Rentenalter erreicht und wird Mitte Mai ihre Funktion als Assistentin des ALSW abgeben. Erfreulicherweise bleibt sie der Heilsarmee jedoch weiterhin verbunden und wird ihre wertvolle Erfahrung künftig in einer sozialen Institution der Heilsarmee in der Romandie einbringen.
Marianne wurde von uns allen nicht nur für ihr umfassendes Fachwissen und ihren unermüdlichen Einsatz sehr geschätzt, sondern auch für ihre positive und stets unterstützende Art. Mit ihrem grossen Pflichtbewusstsein und ihrer Menschlichkeit war sie eine wichtige Stütze im Arbeitsalltag.
Wir danken Marianne von Herzen für die langjährige, engagierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen ihr für den neuen Lebensabschnitt viel Freude, Zufriedenheit und Erfüllung – beruflich wie auch privat.

Laurent Imhoff, Leiter Sozialwerk

MLa

Führungsteam Sozialwerk

Im Sozialwerk ist das Führungsteam neu aufgestellt.

Acht Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben übernehmen gemeinsam Verantwortung. Mit zwei kurzen Antworten zeigen sie, wie sie ihre Rolle verstehen – und was für sie im Sozialwerk auf keinen Fall verloren gehen darf.

Vivian Wiedemer, Sozialwerk

Teil des Teams
Teil des Teams

Ein Teil des neuen Führungsteam

Laurent Imhoff, Abteilungsleiter SW, Leiter Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Ein Kompass, denn er hilft mir, den Kurs auf unsere Vision zu halten – auch wenn die Wege dorthin unterschiedlich oder unerwartet sind. In meiner Rolle versuche ich, Menschen, Entscheidungen und Projekte auf eine gemeinsame Mission auszurichten: Begleitung mit Menschlichkeit, Engagement und Hoffnung.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Das Fundament dafür ist unsere christliche Identität. Sie ruft uns dazu auf, die Würde jedes Menschen anzuerkennen und mit Liebe, Respekt und bedingungsloser Offenheit zu handeln. Auf dieser Grundlage sollen unsere Werte, die Nähe zur Praxis und unsere Professionalität jede Entscheidung prägen, damit unsere Mission lebendig bleibt, den begleiteten Menschen treu bleibt und sinnstiftend wirkt.
Laurent Imhoff

Reto Wühtrich, Regionalleiter SW Ost, Mitglied Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Eine Brücke – ich verbinde Menschen, Sichtweisen und Möglichkeiten.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Gute Leiterinnen und Leiter, die dienen, tragen, verbinden und Hoffnung schenken.
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Christopher Maurice, Regionalleiter SW Romand, Cluster Menschen im Alter

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Das Objekt, das meine Rolle am besten beschreibt, ist ein Kompass.
    Er schreibt keine Entscheidungen vor, sondern hilft, inmitten von Notfällen, Zwängen und Veränderungen den Kurs zu halten. In einer sozialen Organisation wie der Heilsarmee unterstützt er dabei, dem Auftrag treu zu bleiben und sich gleichzeitig laufend an die Realität vor Ort anzupassen.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Die Säulen, die man meiner Meinung nach nie aus den Augen verlieren darf:

    1. Der Auftrag
      Im Einklang mit dem Zweck der Institution bleiben: Menschen in prekären Lebenssituationen verlässlich und konsequent dienen. Das ist der Rahmen, der Entscheidungen Sinn und Richtung gibt.
    2. Die Hoffnung
      An die Möglichkeit glauben, dass sich Menschen und Situationen verändern können – auch wenn alles festgefahren wirkt. Ohne Hoffnung wird Sozialarbeit schnell zur reinen Krisenbewältigung.
    3. Die Verankerung in der Realität
      Nah dran bleiben an Praxis, Teams und den betreuten Menschen. Entwicklungen von Prekarität verstehen und Massnahmen anpassen, ohne die menschliche Nähe zu verlieren.
Christopher Maurice Armeé du Salut

Manuel Breiter, Regionalleiter SW Mitte, Mitglied Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Ein Puzzleteil – Wir ergänzen uns gut als Team, gleichzeitig suche ich die Vernetzung und Verbindung der Themen im Management mit Blick auf das Potential des grossen Bildes.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Auf einer klaren Wertebasis, niederschwellig, tragfähig und auf Augenhöhe menschlicher Not zu begegnen, ist und bleibt unsere Aufgabe. Dies in Partnerschaft mit Behörden und Institutionen, ergänzend in den Lücken des Systems, als Teil eines Ganzen.
Manuel Breiter

Vivian Wiedemer, Assistentin SW & Assistentin des Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Ein Schweizer Taschenmesser: Meine Rolle ist vielseitig und verlässlich – ich organisiere, halte die Fäden zusammen und finde pragmatische Lösungen, manchmal auch mit einer kleinen spitzigen Note.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Herz, Würde und gelebter Glaube: Dass wir Menschen stets achtsam, mit Würde und Offenheit begegnen, sodass Gottes Liebe spürbar wird.
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Annina Berger, Business Partnerin SW, ständiger Gast im Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Gartenwerkzeuge helfen dabei, den Boden vorzubereiten, damit Neues wachsen kann und unterstützen bei der Pflege und Weiterentwicklung von Bestehendem. In meiner Rolle unterstütze ich dabei, Grundlagen und Rahmenbedingungen zu gestalten und eine «Rankhilfe» zu bieten, damit unterschiedliche Themen, Projekte, Perspektiven und Akteure gut zusammenwirken und auf effiziente Weise tragfähige Lösungen «wachsen» können.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Dass das Sozialwerk «Räume» schafft, in denen Menschen sich gesehen, gehört und angenommen fühlen
    und ohne Diskriminierung würdevoll begleitet werden.
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Kilian Schmid, Controlling SW & Unterstützung des Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Ich würde unsere Rolle mit einem Gärtner vergleichen. Wir schaffen mit dem Controlling Rahmenbedingungen, damit Menschen, Angebote und Ressourcen im Sozialwerk nachhaltig wachsen und langfristig tragfähig bleiben.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Aus meiner Sicht dürfen ein gemeinsames Verständnis, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und der Fokus auf den Menschen nie verloren gehen. Nachhaltige betriebswirtschaftliche Führung soll den sozialen Auftrag stärken — nicht verdrängen.
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Michael Staïesse, Leiter Spiritualität SW, Unterstützung Management SW

Welcher Gegenstand beschreibt deine Rolle am besten?

  • Ein Kompass, der hilft, sich zu orientieren und den Weg immer wieder neu zu finden.

Welche tragenden Elemente im Sozialwerk sind für dich unverzichtbar und dürfen auf keinen Fall verloren gehen?

  • Unverzichtbar ist für mich ein professioneller und ganzheitlicher Ansatz in der Sozialarbeit, der auch die Spiritualität mit einbezieht – im Sinn von «Suppe, Seife, Seelenheil». Dazu gehören Werte wie Nächstenliebe, Hoffnung, Versöhnung, Würde, Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung. Diese Grundpfeiler dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.
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Neun Stunden Sicherheit – ein Winter in der Tiefenau

Von November bis März betrieb die Heilsarmee im Auftrag der Stadt Bern eine Notschlafstelle im ehemaligen Personalhaus des Tiefenauspitals.

Mitarbeiterin Karin Scheidegger blickt zurück auf fünf Monate mit rund 2000 Übernachtungen – und auf Begegnungen, die sie nicht loslassen – ein Erlebnisbericht.

Während die Frühlingswärme zurückkehrt, denke ich noch einmal zurück, an unseren Winter in der Tiefenau. Ein Team von vier Mitarbeitenden hat zwischen November 2025 und März 2026 im Auftrag der Stadt Bern die Notschlafstelle in der Tiefenau betrieben, um dem Bedarf an zusätzlichen Notbetten gerecht zu werden. Während diesen 5 Monaten zählt die Notschlafstelle rund 2’000 Übernachtungen.

Zurück bleiben Erinnerungen an tiefgreifende, berührende und manchmal auch sehr herausfordernde Begegnungen, sowie eine ganze Ansammlung an zurückgelassenen Effekten. Was wohl aus den Menschen geworden ist, die keine Möglichkeit mehr hatten, ihre Habseligkeiten abzuholen?

Ein sicherer Ort für neun Stunden
Das ehemalige Personalhaus auf dem Areal des alten Tiefenauspitals bot der Notschlafstelle eine ideale Infrastruktur: 10 Zimmer à jeweils zwei Betten; Total 20 Betten plus 2 Notmatratzen, während vier Betten fix für Frauen reserviert blieben. Dazu ein kleiner Aufenthaltsraum mit Kaffee- und Tee-Bar, sowie WCs und Duschkabinen. Ein sicherer Raum für neun nächtliche Stunden. Die Türe öffnet um 22 Uhr und um 7 Uhr in der Früh’ müssen wir die Gäste anhalten, die Notschlafstelle wieder zu verlassen, was nicht immer ohne Diskussionen und Nachdruck möglich war.

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Die magische Stunde vor dem Morgen
Als nahezu magisch empfand ich oftmals die Zeit zwischen 05:30 Uhr und 06:00 Uhr – kurz vor der ersten Weckrunde, während die einen noch im Tiefschlaf sind, kommt langsam wieder Bewegung in die Notschlafstelle. Erste Menschen stehen auf. Wir trinken gemeinsam Kaffee am Tisch im Aufenthaltsbereich und die Zartheit der frühen Morgenstunden gibt Raum für tiefgründige Gespräche, wie sie während dem Lärm und manchmal auch sehr chaotischen Check-in Prozess am Abend nicht immer möglich waren. Der frühe Morgen schenkt Vertrauen in den neuen Tag und diese halbe Stunde schien manchmal extrem lang zu sein, während die 45 Minuten zwischen 06:15 Uhr und 07:00 Uhr in Sekundenschnelle davoneilten.

Einige Begegnungen blieben flüchtig und ohne viele Worte, während andere unsere Präsenz, unsere offenen Herzen und Ohren sehr schätzten, um ihren Nöten, Sorgen und Ängsten Gehör zu verleihen. Auch wenn wir nicht für jede persönliche Herausforderung eine Lösung parat hatten, dann half vielleicht eine Tasse Beruhigungstee oder einfach unsere pure Präsenz, um die Not gemeinsam auszuhalten.

Keine Nacht wie die andere
Jede Nacht brachte neue Geschichten, neue Herausforderungen und nicht eine Nacht war gleich wie die vorangegangene. Gewissheiten gab es selten (ausser dem Betriebsrahmen und dem Versprechen von frischer Bettwäsche). So war es wichtig, mit absoluter Offenheit für sämtliche Eventualitäten in die Nacht hineinzugehen. Tatsächlich kam es vor, dass um Mitternacht alle im Bett waren und schliefen, während andere Nächte unruhig, laut und voller Konfliktpotential waren oder gar die Ambulanz bestellt werden musste. Oder wenn mitten in der Nacht ein manischer Besucher bei uns telefonieren oder eine Tasse Tee trinken wollte. Oder jenes Clan-Oberhaupt auftauchte, das seine – im Liebesrausch durchgebrannte – Bettler-Freundin wieder einfangen wollte. Hin und wieder brachte auch mal die Polizei einen späten Gast bei uns vorbei.

Ein Schlüsselfaktor für ruhige oder weniger ruhige Nächte war oftmals auch die Bettenverteilung: mit wachsender Erfahrung wussten wir, wenn wir diese und jene Person gemeinsam in ein Zimmer legen, dann gibt es sicherlich Zoff. Eine Bettenrochade konnte manchmal Wunder bewirken. Die häufigste Beschwerde von Gästen: Lautes Schnarchen von Zimmergenossinnen und -genossen.

Dankbarkeit statt Gefahr
Bekannte fragten mich, ob ich denn nicht Angst hätte, allein in der Nacht in diesen Räumen zu sein. Nach diesem bewegten Winter in der Tiefenau kann ich klar sagen: In meinen Augen ist es eine absolut falsche Vorstellung, dass Nutzende einer Notschlafstelle vermeintlich gefährlich sein sollen. Mehrheitlich spürte ich von unseren Klientinnen und Klienten einfach nur tiefe Dankbarkeit.

Tatsächlich gab es schon auch brenzlige Situationen. Umso berührender war es, zu beobachten, wie die Gäste sich auch gegenseitig umeinander kümmerten und deeskalierend einwirkten, um gewaltvolle Situationen zu entschärfen. Auch wenn hin und wieder mal ein Hausverbot ausgesprochen werden musste.

Wenn ich um 07:30 Uhr die letzte Maschine mit Bettwäsche einschaltete, atmete ich leise auf. Auch ich verspürte eine riesige Dankbarkeit, gemeinsam mit den Gästen die Nacht sicher überstanden zu haben. Diese Dankbarkeit nehme ich mit in meinen Tag und öffne die Türe zu meiner Wohnung mit einer neuen Art der Wertschätzung – es ist nicht selbstverständlich nach Hause zurückkehren zu dürfen.

Karin Scheidegger, Mitarbeiterin soziale Begleitung im Nachtdienst, Notschlafstelle Tiefenau

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